Deutscher Segelflugverband e.V.

... und wie stellt sich der DSV dazu auf?

Erkundigt man sich in Fliegerkreisen nach der Beitragshöhe für den Dachverband DAeC, erhält man zumeist sehr vage Antworten. „Ich zahle 300 € Beitrag an meinen Verein und der führt die Beiträge an den Landesverband und den Dachverband ab“, erscheint da schon als präzises Statement, denn in vielen Landesverbänden und Vereinen werden die Beiträge nicht nach den Empfängern aufgeschlüsselt, sondern pauschal ausgewiesen. Selbst Funktionären ist nicht immer präsent, wie sich der Verbandsbeitrag zusammensetzt und wer darüber beschließt.

Der Deutsche Segelflugverband e.V. beabsichtigt im Jahr 2016 den Aufnahmeantrag in den DAeC zu stellen und hat sich daher intensiv mit der Beitragsfrage des Dachverbandes beschäftigt. Er möchte hiermit seine dabei gewonnenen Erkenntnisse allgemein zur Verfügung stellen. Vorangestellt sei der Hinweis, dass bei dieser Betrachtung die Vereins- und Landesverbandsbeiträge nicht berücksichtigt sind, sondern der Fokus der Betrachtung auf den Dachverband gerichtet ist. Aber es ist ohnehin nebulös genug!

 

Der DAeC hat in der Satzung vom 22.04.2016 die Grundlagen der Beitragserhebung wie folgt neu geregelt:

§ 8 Beitragspflichten

  1. Zur Erfüllung der Aufgaben des Verbandes werden zur Deckung der laufenden Ausgaben Mitgliedsbeiträge erhoben.
  2. Die Mitglieder sind zur Leistung eines Beitrages für den Verband (Verbandsbeitrag) verpflichtet. Der Verbandsbeitrag setzt sich zusammen aus einer nach absoluter Verbandsgröße gestuften Verbandspauschale gemäß Stufenmodell der Stimmrechtsermittlung (§ 17 (2)) sowie einem Pro-Kopf-Beitrag. Näheres regelt die Beitragsordnung (§ 33).
  3. Über die Höhe des Verbandsbeitrages entscheidet die Hauptversammlung.
  4. Die regionalen Multi-Luftsportverbände (Landesverbände § 5 Abs. 2a) sind zur Leistung eines Beitrages für die spartenspezifische Ausstattung und Unterhaltung der Bundesgeschäftsstelle verpflichtet. Über die jeweilige Höhe dieses Fachbeitrages entscheidet auf Vorschlag des Vorstandes die Hauptversammlung. Stimmberechtigt sind dabei die Mitglieder, die diesen Fachbeitrag zu entrichten haben.
  5. Die ordentlichen Mitglieder des DAeC gem. § 5 Abs. 2 der Satzung sind zur Leistung eines Sportbeitrages für die Bundeskommissionen verpflichtet, in denen sie vertreten sind. Über die Höhe des Beitrages entscheiden die jeweiligen Bundeskommissionen. Näheres regelt die Beitragsordnung.

Aus diesen Definitionen erwachsen damit praktische Folgerungen:

Der DAeC-Beitrag setzt sich also zusammen aus vier Komponenten:

  • einer Verbandspauschale,
  • einem Pro-Kopf- Beitrag,
  • einem Fachbeitrag und
  • einem Sportbeitrag.

Das muss das Mitglied erst mal verstehen, bevor es versucht, es sich selbst oder Dritten zu erklären.

Noch komplizierter wird es unter Berücksichtigung der folgenden Aspekte:

  • Der DAeC unterscheidet seine ordentlichen Mitglieder nach „Mono-Luftsportverbänden“ und „Regionalen Multi-Luftsportverbänden“ (= Landesverbände).
  • Der DAeC behandelt dabei seine ordentlichen Mitglieder bei der Beitragserhebung auch noch sehr unterschiedlich, ohne dies in der Satzung oder an anderer Stelle erklärt zu haben.
  • Die Mitgliederzahl der ordentlichen Mitglieder ist ein Kriterium für die Ermittlung der Beitragshöhe und findet ihren Niederschlag in der Verbandspauschale, die mit dem Stimmrecht der Verbände in der Hauptversammlung korrespondiert. Große Verbände entrichten einen niedrigeren Beitrag pro Mitglied als kleine Verbände. Das war der politische Preis dafür, große Luftsportfachverbände und Landesverbände im DAeC zu vereinen.
  • Eine sachliche Begründung zur Mehrzahlung für die „kleinen“ Landesverbände in „kleinen“ Bundesländern ist das nicht.

Jetzt geht es weiter:

  • Nicht alle Beitragsanteile sind von allen ordentlichen Mitgliedern zu entrichten. Das ist schon schwerer zu verstehen.
  • Monoluftsportverbände entrichten über den relativ niedrigen Verbandsbeitrag hinaus keinen Fachbeitrag für die Unterhaltung der Bundesgeschäftsstelle und deren Leistungen. Diese „Ehre“ obliegt allein den über die Landesverbände organisierten Luftsportlern. Das sind bisher vor allem die Segelflieger und die Motorflieger (...wenn sie nicht schon bei der AOPA sind).
  • Die für die Sportsparten zuständigen Bundeskommissionen finanzieren ihre Arbeit aus den Mitteln des Sportbeitrages, deren Höhe sie selber beschließen.
  • Monoluftsportverbände, die allein die Bundeskommission (wie die Gleitschirmflieger) bilden, bestimmen alleine die Höhe ihres Sportbeitrages.

Beitrags-RouletteAus der DAeC-Publikation „Zahlen – Fakten – Daten 2016“ ist ersichtlich, dass sich die Beiträge unterschiedlich entwickeln können:

  • Zunächst wird hier ein weiterer Begriff eingeführt, der „Basisbeitrag“, der dem Verbandsbeitrag der Satzung entspricht.
  • Die Höhe der Sportbeiträge differiert zwischen den Sparten, was seine Ursachen in der Anzahl der Mitglieder der Sparte, dem gebotenen Leistungsspektrum und dem dafür angestellten Personal hat.
  • Die Höhe der Fachbeiträge – die für die Finanzierung der Bundesgeschäftsstelle verwandt werden - ist bei den Sparten unterschiedlich! Das muss dann wohl heißen, dass die Arbeit des Generalsekretärs und seines Teams für die Ballonfahrer, Modellflieger und Fallschirmspringer weniger Wert haben muss, als für die Segelflieger, Motorflieger und Ultraleichtflieger. Demnach hat sie dann für den Drachenflieger und Gleitschirmpiloten überhaupt keinen Wert, denn sie zahlen 0,00 € Fachbeitrag!
  • Wer die Grundlagen des DAeC-Beitrages bis hierher verstanden hat, wird spätestens dann restlos verwirrt, wenn er liest, dass der MFSD (Modellflugsportverband Deutschland e.V.) als Monosportverband aber einen Fachbeitrag leisten muss.

Zwischenfazit

Die Frage nach der Höhe des DAeC-Beitrages ist also wirklich nicht so einfach zu beantworten, sondern muss aus dem Blickwinkel betrachtet werden, wie der Luftsportler im Dachverband gemeldet ist. Für einen Fallschirmspringer oder Ballonfahrer ist damit die Organisation über einen Landesverband bei gleicher Leistung durch die Bundesgeschäftsstelle teurer als über den jeweiligen Monosportverband, das ist eine spannende Feststellung.

BeitragsanpassungenBei den vielen Anforderungen im Luftsport als Teil des Luftverkehrs ist dies sicher nicht mehr zeitgemäß und ist das Ergebnis jahrzehntelanger Beitragsanpassungen, die jeweils den verbandspolitischen Bedürfnissen entsprechend immer wieder „aufgepfropft“ wurden. Deutlich wird dabei, dass der DAeC satzungskonform und richtiger Weise die Organisation der Luftsportler in Monoluftsportverbänden fördert, indem er deutlich niedrigere Beiträge von ihnen erhebt. Höhere Beiträge kann er über die Verbände erzielen, deren Bundeskommissionen nicht durch selbständige Verbände geleitet werden, wie zum Beispiel die Buko Segelflug, die eine rechtlich unselbständige Abteilung des DAeC bildet und damit formal und real dem Vorstand des DAeC unterstellt ist.

Herr des GeldesUnd da möchte der DAeC auch morgen noch kräftig „zubeißen“, denn die ca. 38.000 Drachenflieger und Hängegleiter tragen rund 90.000 EUR zur Finanzierung der DAeC-Zentrale bei, die (nur) 28.000 Segelflieger aber rund 560.000 EUR! Dafür hat die BuKo Segelflug direkt aber zudem nur die halbe Stimmenzahl in der Hauptversammlung, wie die in Personalunion auftretenden DHV und BuKo HG/GS der alle zugeordneten Stimmen damit bündelt– noch Fragen?

Jetzt wird dem interessierten Leser schon verständlich, warum der DAeC den DSV als Störenfried verteufelt und plötzlich nach der Solidarität ruft. Dieser Solidarbeitrag des Segelflugs ist in Wahrheit ein Zusatzbeitrag.

Hier also liegt eine der Ursachen, warum es zur Gründung des DSV gekommen ist: Wir Segelflieger wollen im Einklang mit der Satzung des DAeC die volle verantwortliche Zuständigkeit über die Erhebung und Verwendung der Beitragsgelder der Segelflieger. Die beste Garantie für eine erfolgreiche Umsetzung dieses einfachen Ansatzes ist die Gründung eines eigenständigen „e.V.“, die der DSV vollzogen hat.

Beitragsgefüge

Dass es dabei um erhebliche Verschiebungen im Beitragsgefüge geht, zeigt folgender Vergleich der bisherigen Beiträge der Segelflieger über die Landesverbände mit denen des DSV nach seiner satzungsgemäßen Aufnahme in den DAeC. Dazu zeigt sie den Beitragsanteil des Deutschen Hängegleiterverbandes DHV - wohlgemerkt schon jetzt ordentliches Monosportart-Mitglied des DAeC:

  Segelflieger über LV  Segelflieger über DSV  HG/GS-Flieger im DHV 
Verbandsbeitrag 3,55 EUR (Mittelwert) 4,00 EUR (geschätzt) 2,57 EUR
Fachbeitrag 16,00 EUR 0,00 EUR 0,00 EUR
Sportbeitrag 13,00 EUR 13,00 EUR 0,00 EUR
Dachverband gesamt 32,55 EUR 17,00 EUR 2,57 EUR

 

  • Der bestehende Verbandsbeitrag der Landesverbände umfasst eine Spanne von 3,10 € bis 4,88 €, damit soll der Dachverband finanziert sein.
  • Der Verbandsbeitrag des DSV reduziert sich, je mehr Segelflieger sich über den DSV organisieren.
  • Mit den zu reduzierenden Mitteln des Fachbeitrages - die nicht mehr an den DAeC gehen - wird der DSV sein Dienstleistungsangebot aufbauen und präzise und zentral auf den Segelflug zugeschnitten aufbauen und den Mitgliedern unterbreiten.
  • Der Deutsche Hängegleiterverband DHV zeigt seit Jahren, wie erfolgreich eine reine Spartenvertretung operieren kann. Mehr Leistungen – mehr Mitglieder, eine klare Formel!
  • Der DHV finanziert seine Sportangebote selbst und weist die Kosten im Rahmen des DAeC auch gar nicht aus.
  • Der DAeC wird bei Umsetzung des DSV Konzeptes auch weiterhin seiner satzungsgemäßen Koordinierungsaufgabe mit konzentrierter Vertretung aller Sportarten als Dachverband mit einem gemeinsamen Verbandsbeitrag („Basisbeitrag“) aller Fachverbände nachkommen.

Die vielen Nachfragen und Anregungen aus dem Kreis der Segelflieger und neuen DSV-Mitgliedern haben dem Vorstand des DSV signalisiert, dass er die Integration des DSV in das Gefüge des DAeC so gestalten soll, dass so wenig wie möglich Reibungsflächen entstehen und der Übergang im Bereich des Segelfluges fließend vonstatten gehen kann. Der Vorstand des DSV wird daher dem Segelfliegertag 2016 des DSV einige Anpassungen der Beitragsordnung vorschlagen, um diesen Anliegen zu entsprechen und insbesondere den Landesverbänden die Entscheidung erleichtern, Mitglied im DSV zu werden und ihre Segelflieger über den DSV an den DAeC zu melden.

Übersicht über die DSV-Beitragsätze je Segelflieger

  Meldung über den LV Meldung über den Verein Einzelmitglied

2016

12,00 EUR 24,00 EUR 40,00 EUR
als Mitglied im DAeC
(aktuelle Beitragsordnung)
36,00 EUR 60,00 EUR 80,00 EUR
als Mitglied im DAeC
(Vorschlag für 2017)
30,00 EUR 48,00 EUR 60,00 EUR

 

Jugendliche Segelflieger entrichten nach der Aufnahme des DSV in den DAeC die Hälfte der angegebenen Beträge.

Der Vorschlag des DSV bedeutet für die Landesverbände, dass die Meldung der Segelflieger über den DSV zu keinen wesentlichen Änderungen der Beiträge an den Dachverband führt. Der einzelne Segelflieger, der die Dienstleistungen des DSV in Anspruch nehmen will, spart Beitragsgeld, wenn sein Verein, oder besser noch sein Landesverband Mitglied im DSV wird.

Das Mitwirken des DSV im DAeC glättet dessen Struktur und wird auch die Transparenz bei der Beitragshöhe verbessern. Der DSV fordert nichts anderes, als das, was die Sportarten Hängegleiten und Gleitschirmfliegen, Ballonfahren, Fallschirmspringen und Modellflug bereits umgesetzt haben.

Ausdrücklich dafür wurde die Satzung des DAeC im November 2009 geändert, nachdem viele Strukturkommissionen und externe Berater des DOSB dies dem DAeC vorgeschlagen haben. Klare Strukturen, Gleichheit bei der Behandlung der Sportarten und transparente Finanzen zum Wohle der Mitglieder sind die richtigen Prinzipien eines gemeinnützigen Sportverbandes. Dafür steht der DSV.

WachstumSegelflieger! Helft uns und unserer gemeinsamen Sache beim Aufbau und werdet schon jetzt wie viele andere Segelflieger Mitglied im DSV. Die Einzelmitgliedschaft kann sofort beendet werden, wenn euer Verein oder Landesverband Mitglied im DSV wird. Das rechtliche Umfeld unseres Sportes erfordert ein enorm hohes Maß an Fachkompetenz, um unsere Freiräume zu sichern und - wo möglich - zu erweitern.

Nirgendwo trifft die Aussage „von Segelfliegern für Segelflieger“ mehr zu als beim DSV, Deinem Segelflugverband.

 

 

10. Juli 2016

Vorstand DSV e.V.